Freude an ihrem Glauben

PLAUEN – „My God is real“ singt Marina Seidel mit glockenklarer Stimme ganz allein. Nur Pianist Jim begleitet sie dabei. Ein eindrucksvoller Auftakt zu einem eindrucksvollen Konzert am vergangenen Sonntagabend in der St. Johanniskirche. „Joy in Belief“ nennt sich der hier gastierende Hofer Gospelchor, der seinem Namen musikalisch alle Ehre macht. Die Freude am Glauben ist immer wieder zu hören und zu spüren. Welch ein Feeling, das da aus der Seele kommt, welch eine Kraft, die Glaube bewirken kann und welch eine Freude, die all das musikalisch verbindet. Und welch ein Genuss, das alles in über zwei unvergesslichen Stunden genießen zu dürfen. Sieben Sänger und elf Sängerinnen mit Leiterin und Solistin Marina Seidel sowie Bassist Tom, Schlagzeuger Harry und Pianist Jim vermittelten ihre Freude am Glauben mit einer fast unvorstellbaren Vielfalt zwischen spirituellem Liedgut, Gospelsong, Traditionelles und weltweit die Chartspitzen erobernden Popsongs. Dieses breit gefächerte Repertoire und die einfallsreichen Arrangements von Marina Seidel allein schon, waren eine Klasse für sich. Dem solistischen Auftakt folgte mit dem „Oh, happy day“ der berühmten Edwin Hawkin Singers jener Gospelwelthit, der 1969 die Dominanz der führenden Rockgiganten durchbrach und in dem Charts Spitzenpositionen eroberte. Nach dem ebenfalls rund um den Erdball gefeierten Traditionell „Amazing Grace“ nahmen sich die Chormitglieder an die Hände und bekundeten klangvoll in „We believe an another kingdom“ ihre Hoffnung an ein noch anderes Königshaus, bevor Marina Seidels kleine Tochter Deborah mit dem großen Andy den alten Udo Lindenberg-Titel „Wozu sind Kriege da“ sang. Dafür gab’s ebenso viel Beifall, wie nach jeder Station durch die Welt der Gospel-, Soul- und Popmusik. Pianist Jim singt das „Free“ der Lighthouse Family, das Ende der 90er Jahre seinen Internationalen Siegeszug durch die Hitlisten erlebte und das folgende „let it be“ – der Titelsong der letzten erschienen Beatles-LP 1970 – war ein ganz besonderer Höhepunkt. Paul McCartney hatte diese Ballade seiner Mutter Mary gewidmet und die bot der Hofer Gospelchor mit so enormen Klangvolumen, dass wohl selbst der großartige Soundbastler Phil Spector und der ehemalige Beatles-Produzent George Martin ihre Freude gehabt hätten. Und auch das dreiteilige „Sister Act“-Special brachten Chor und Band fantastisch, dabei mit dem dritten Titel „I will follow him“ zugleich Popgeschichte reflektierend. Peggy March eroberte damit 1963 als damals 15-Jährige Platz eins der US-Hitparaden, und sie ist wohl bis heute Amerikas jüngste Chartssiegerin geblieben. Worum es an den Flüssen von Babylon („where we remember Zion“) ging, war in 78er Boney M.-Bestseller „Rivers of Babylon“ zu erfahren und gleich nach der Pause erregte Bette Middlers Welthit, der gleichzeitig Titelsong eines Kultfilm war, Aufsehen. Ken Jim am Piano begleitet sangen Marina Seidel, Sandra Stail und Marion Hesidenz von „The Rose“, jener skrupellos zertretenen Rose, im Leinwandknüller, angelehnt an die Karrierehöhen und schlimmen Tiefen der unvergessenen Blues- und Rockröhre Janis Joplin. Spirituals und bekannte Gospelsongs – sogar mit Country-Einflüssen – folgten und genau dazwischen brachte Gesangssolist Harald noch tieferen schwarzen Groove, bei dem von den Blues Brothers bekanntem „John the Revelator“. Noch mehr Lebensfreude ging kaum, auch wenn der Finaltitel „Higher and higher“ hieß, ein Hochgenuss war dieses Klangereignis „Joy in Belief“, dass mit dem berühmten „He, Man“ in die Zugabe ging, dem das auch von John Lennon bekannte „Stand by me“ folgte, bevor dann der Strom ausfiel und der Chor ohne Band die bereits im zweiten Konzertteil erklungenen Klassiker „Down by the riverside“ und „When the saints go marching in“ eindrucksvoll a-capella sang. Im Herbst könnte – so ist es vorgesehen – der hervorragende Hofer Gospelchor wieder in die Plauener St. Johanniskirche kommen und seine Freude am Glauben, wie es der Bandname verspricht, mit musikalischer Vielfalt und Klasse ebenso zeigen, wie es am vergangenen Sonntag zu genießen war. JÜRGEN PREUSS Es war eine helle Freude den Gospelsingers in der St. Johanniskirche zuzuhören.